Click in the field, then press CTRL+C to copy the HTML code
Copy
<div style="background:#fff;border:#bbb dashed 1px;padding:5px"><a href="http://en.citatepedia.ro/comments.php?id=367945" style="color:#000;text-decoration:none"><div style="margin:10px 0"><strong>Ein Baum Erzählt von Orpheus</strong></div><div style="margin:10px 0">Weißer Tagesanbruch. Stille. Als das Kräuseln begann,<br>hielt ich es für Seewind, in unser Tal kommend mit Raunen<br>von Salz, von baumlosen Horizonten. Aber der weiße Nebel<br>bewegte sich nicht; das Laub meiner Brüder blieb ausgebreitet,<br>regungslos.<br>Doch das Kräuseln kam näher – und dann<br>begannen meine eigenen äußersten Zweige zu prickeln, fast als wäre<br>ein Feuer unter ihnen entfacht, zu nah, und ihre Spitzen<br>trockneten und rollten sich ein.<br>Doch ich fürchtete mich nicht, nur <br>wachsam war ich.<br>Ich sah ihn als erster, denn ich wuchs<br>draußen am Weidehang, jenseits des Waldes.<br>Er war ein Mann, so schien es: die zwei<br>beweglichen Stengel, der kurze Stamm, die zwei<br>Arm-Äste, biegsam, jeder mit fünf laublosen<br>Zweigen an ihrem Ende,<br>und der Kopf gekrönt mit braunem oder goldenem Gras,<br>ein Gesicht tragend, nicht wie das geschnäbelte Gesicht eines Vogels,<br>eher wie das einer Blume.<br>Er trug eine Bürde,<br>einen abgeschnittenen Ast, gebogen, als er noch grün war,<br>Strähnen einer Rebe quer darüber gespannt. Von dieser,<br>sobald er sie berührte, und von seiner Stimme,<br>die, unähnlich der Stimme des Windes, unser Laub und unsere<br>Äste nicht brauchte, um ihren Klang zu vollenden,<br>kam das Kräuseln.<br>Es war aber jetzt kein Kräuseln mehr (er war nahe herangekommen und <br>stand in meinem ersten Schatten), es war eine Welle, die mich umspülte,<br>als stiege Regen<br>empor von unten um mich herum,<br>anstatt zu fallen.<br>Und was ich spürte, war nicht mehr ein trockenes Prickeln:<br>Ich schien zu singen, während er sang, ich schien zu wissen,<br>was die Lerche weiß; mein ganzer Saft<br>stieg hinauf der Sonne entgegen, die nun<br>aufgegangen war, der Nebel hob sich, das Gras<br>wurde trocken, doch meine Wurzeln spürten, wie Musik sie tränkte<br>tief in der Erde.</div><div style="margin:10px 0">Er kam noch näher, lehnte sich an meinen Stamm:<br>Die Rinde erschauerte wie ein noch gefaltetes Blatt.<br>Musik! Kein Zweig von mir, der nicht<br>erbebte vor Freude und Furcht.</div><div style="margin:10px 0">Dann, als er sang,<br>waren es nicht mehr nur Klänge, aus denen die Musik entstand:<br>Er sprach, und wie kein Baum zuhört, hörte ich zu, und Sprache<br>kam in meine Wurzeln<br>aus der Erde,<br>in meine Rinde<br>aus der Luft,<br>in die Poren meiner grünsten Knospen<br>sanft wie Tau,<br>und er sang kein Wort, das ich nicht zu deuten wußte.<br>Er erzählte von Reisen,<br>davon, wo Sonne und Mond hingehen, während wir im Dunkeln stehen,<br>von einer Erden-Reise, von der er träumte, sie eines Tages zu tun<br>tiefer als Wurzeln…<br>Er erzählte von den Menschenträumen, von Krieg, Leidenschaften, Gram<br>und ich, ein Baum, verstand die Wörter – ach, es schien,<br>als ob meine dicke Rinde aufplatzen würde, wie die eines Schößlings,<br>der zu schnell wuchs im Frühling,<br>so daß später Frost ihn verwundete.</div><div style="margin:10px 0">Feuer besang er,<br>das Bäume fürchten, und ich, ein Baum, erfreute mich seiner Flammen.<br>Neue Knospen brachen auf in mir, wenngleich es Hochsommer war.<br>Als ob seine Leier (nun wußte ich ihren Namen)<br>zugleich Frost und Feuer wäre, ihre Akkorde flammten<br>hinauf bis zu meiner Krone.<br>Ich war wieder Samen.<br>Ich war Farn im Sumpf.<br>Ich war Kohle.</div><div style="margin:10px 0"><br /></a><br />poem by <a href="http://en.citatepedia.ro/by.php?a=Denise+Levertov">Denise Levertov</a><div class=q> <img src="https://www.citatepedia.ro/g/32share.png" style="float:left" alt="Share"> <script type="text/javascript" src="//s7.addthis.com/js/300/addthis_widget.js#pubid=citatepedia" async="async"></script><div style="display:inline-block" class="addthis_sharing_toolbox" data-url="http://en.citatepedia.ro/comments.php?id=367945" data-title="Ein Baum Erzählt von Orpheus de Denise Levertov" data-description="Weißer Tagesanbruch. Stille. Als das Kräuseln begann, hielt ich es für Seewind, in unser Tal kommend mit Raunen von Salz, von baumlosen Horizonten. Aber der weiße Nebel bewegte sich nicht; das Laub meiner Brüder blieb ausgebreitet, regungslos..."></div> </div> </div>
solid border
dashed border
dotted border
double border
groove border
ridge border
inset border
outset border
no border
blue
green
red
purple
cyan
gold
silver
black